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Fachrichtung Volksmusik


Ab dem Schuljahr 2021/22 bieten wir unsere schulgeldfreie und bafögfähige Vollzeit-Ausbildung auch in der Fachrichtung „Volksmusik“ an. Deren Stundentafel umfasst in Ergänzung zur breiten Palette musikalischer Praxis- und Theoriefächer der Fachrichtung Klassik zusätzlich die beiden Theoriefächer Geschichte der Volksmusik und Grundlagen musikalischer Volkskunde sowie den fachpraktischen Unterricht auf einem dritten Instrument.

Das instrumentale bzw. vokale Hauptfach kann nicht nur mit volksmusiktypischen Instrumenten, sondern auch mit Gesang und allen Instrumenten der klassischen Kunstmusik belegt werden. Der Unterricht im Hauptfach arbeitet an der Bewältigung allgemeiner spiel- bzw. gesangstechnischer Herausforderungen sowohl durch die Beschäftigung mit verschiedensten Stilistiken traditioneller Musik als auch durch das exemplarische Studium von Werken der klassischen Kunstmusik.

Nachdem die Fachrichtung Volksmusik bisher nur in der Ausprägung „Bairische Volksmusik“ angeboten wird (an der oberbayerischen BFSM in Altötting), liegt der dual konzipierte Fokus in Kronach einerseits auf der Fränkischen Volksmusik sowie andererseits auf den traditionellen Musiken anderer Ethnien, Länder und Kontinente.

Die Schüler:innen der neuen Abteilung erwartet neben einer wissenschaftlich fundierten Vermittlung fränkischer Kulturschätze also auch das spannende Experiment einer ergebnisoffenen Kombination und Verschmelzung fränkischer Musik mit musikalischen Stilelementen aus aller Welt.

Was unter Bezeichnungen wie Neue Volksmusik, Volxmusik oder Tradimix schon seit geraumer Zeit Furore macht und bislang vor allem durch südbayerische oder österreichische Ensembles und Solisten repräsentiert wird, erhält damit auch für den Norden Bayerns ein neues Kreativlabor für „fränkisch inspirierte Weltmusik“.

Zugleich eignet sich die Ausbildung in der Fachrichtung Volksmusik durch die Betonung elementarer und improvisatorischer Musizierformen sowie durch den hohen Stellenwert tänzerischer Elemente ideal als Vorbereitung auf ein anschließendes Studium der Elementaren Musikpädagogik.


FACH    
HAUPTFÄCHERKlasse IKlasse IIKlasse III
pädagogisch
Klasse III
künstlerisch
Hauptfach: Instrument bzw. Gesang (E)2222
Chor- und Ensembleleitung (G/Kl)33--
PFLICHTFÄCHER
1. Pflichtfach-Instrument Klavier (E/G)1111
2. Pflichtfachinstrument (E/G)11--
Geschichte der Traditionellen Musik11--
Grundlagen der Musikethnologie11--
Ensemblespiel Volksmusik (G/K)2222
Partiturspiel (G)-1--
Unterrichtspraktisches Klavierspiel / Klavier-Improvisation (G)--11
Gehörbildung (Kl/G)2222
Singen, Stimmbildung, Sprecherziehung (E/G)1111
Chorsingen (K)2222
Allgemeine Musiklehre (K/Kl)1---
Musikgeschichte und Literatur (K/Kl)33 --
Instrumentenkunde und Akustik (K/Kl)1---
Harmonielehre, Tonsatz (G)22--
Formenlehre, Werkanalyse (Kl)11--
Arrangement (G)--22
Musikpädagogik (G)--2-
Unterrichtsmethodik des Hauptfachs in Grundzügen (G/K)-1--
Pädagogisch-künstlerisches Seminar
- Schwerpunktmodul: Methodik/Didaktik (G)--1-
- Schwerpunktmodul: Unterrichtspraxis (E/G)--2-
- Profilmodul: Musikvermittlung (G)--2-
Künstlerisch-wissenschaftliches Seminar
- Musiktheorie, Musikpraxis, Musikwissenschaft---2
- Profilmodul: Musikvermittlung---2
ALLGEMEINBILDENDE FÄCHER
Religion/Ethik (Befreiung für Abiturienten möglich) (G)11--
Deutsch (Befreiung für Abiturienten möglich) (G)22--
Politik und Gesellschaft (Kl)22--
Musik- und Bewegungserziehung (G)22--
WAHLFÄCHER
Wahlfachunterricht Instrument oder Gesang (E)0,50,50,50,5
Elementares Musizieren (G)11 --
Ensemblespiel: Tango22
Ensemblespiel: Global Folk22
Rock/Pop/Jazz (G)11--
Computer und musikalische Gestaltung (G)11--
Musiktherapie (G)2222


Geschichte der Volksmusik

In der Allgemeinen Musikgeschichte spielt die Volksmusik oft nur ein untergeordnetes Schattendasein. Nur beiläufig und weitgehend unzutreffend definiert als „Musik, die im Volk entstanden ist und keine bekannten Urheber hat“, wird das musikalische Repertoire der Stadtpfeifer und Spinnstuben, der Tanzkapellen und Bauernfeste im musikhistorischen Rückblick von der Gregorianik bis zur Gegenwart nur selten bei näherem Licht betrachtet.

Dabei liegt gerade dort, in der zunächst mündlich tradierten und häufig improvisatorischen Musizierpraxis bäuerlich-dörflicher und kleinstädtischer Gemeinschaften der nährstoffreiche Humus, in dem die hochentwickelte Kunst vieler namhafter Komponist:innen wurzelt. So finden sich etwa in Johann Sebastian Bachs weit verzweigtem Stammbaum zahlreiche Stadtpfeifer; Johannes Brahms verbrachte seine Kindheit und Jugend in Hamburger Hafenkneipen und Unterhaltungslokalen, in denen sein Vater zum Tanz aufspielte; und die monumentalen Sinfonien Gustav Mahlers (dessen erstes Instrument übrigens das Akkordeon war) sind ohne die Volks-, Tanz- und Marschmusik seiner böhmisch-mährischen Heimat nicht vorstellbar. Um nur drei besonderes prominente Beispiele zu nennen.

Wenn wir uns mit der Geschichte der Volksmusik beschäftigen, betrachten wir also keine abseitige Randerscheinung der Musikgeschichte, sondern im Grunde genommen deren innersten Kern und Ursprung.

Was unseren Fokus auf die Volksmusik Frankens betrifft, können wir durch unsere Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik von einem großen Archiv und dessen wissenschaftlich fundierter Aufarbeitung profitieren. Dabei möchten wir Theorie und Praxis eng verzahnen und die Schätze aus diversen Nachlässen fränkischer Musiker:innen nicht nur mit spitzen Fingern unters Mikroskop legen, sondern mit frischer Musizierlust wieder zu neuem klingendem Leben erwecken.


Grundlagen musikalischer Volkskunde

Die „musikalische Volkskunde“, die im Rahmen musikwissenschaftlicher Forschung und Lehre auch als „Musikethnologie“, „Ethnomusikologie“ oder „Vergleichende Musikwissenschaft“ bezeichnet wird, betrachtet die Musik als soziale Interaktion gesellschaftlicher Gruppen. Ihr Blick richtet sich also weniger auf die Musik selbst, als vielmehr auf das „Drumherum“: die Praktiken, Riten, Bräuche, Traditionen, Funktionen, Zwecke, Anwendungsbereiche, Wirkungen, Bedeutungen und Vorstellungen von Musik in verschiedenen Gesellschaften.

Uns gibt dieses Fach die Gelegenheit, den Blick über den fränkischen, deutschen und europäischen Tellerrand hinaus auch auf die traditionellen Musikkulturen anderer Regionen, Ethnien, Völker, Länder und Kontinente zu werfen. Denn oft schärft gerade die Auseinandersetzung mit dem Fremden die Wahrnehmung und das Verständnis des Eigenen.


Ensembles

In verschiedenen Ensemble-Formationen können verschiedene Aspekte fränkischer und außerfränkischer Volksmusiken in der Praxis erprobt werden. Natürlich ist die Mitwirkung in mehreren Ensembles möglich.

Fränkisch’ Folk, Ltg. Harald Kotschenreuther
Global Folk, Ltg. Franziska Trommer
Blueß-a-Blous-Kapelln, Ltg. Ronja Dittmar
Kronicher Vierxang, Ltg. Daniela Pfaff-Lapins
Gigs, Gags and Frank-’n’-Roll, Ltg. Marco Fröhlich
Tango, Ltg. Dietmar Engels


Kooperationen

Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für fränkische Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege können wir das reguläre Unterrichtsangebot durch vielfältige Workshops und Seminare zu besonderen Themen ergänzen. Dabei hilft uns das bei uns angesiedelte Sing- und Musikschulwerk Oberfranken, namhafte Dozent:innen zu engagieren und den Kreis der Teilnehmer:innen überregional auszuweiten, um so einen lebendigen Austausch mit der regionalen, nationalen und internationalen Folkmusik-Szene zu ermöglichen.

Ebenso verbindet uns eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, Bezirk Oberfranken e. V., die Schüler:innen unter 25 Jahren einen finanziellen Zuschuss zur Teilnahmegebühr an Fortbildungen zur Fränkischen Volksmusik gewährt.

Gut vernetzt sind die „Player“ der (ober-)fränkischen Volksmusik-Szene über die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken, der gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft nicht nur Notenmaterial und CDs herausgibt, sondern auch das jährliche Oberfränkische Volksmusikfest veranstaltet.


Fachbereichsleitung

Harald Kotschenreuther (Fränkische Volksmusik)
Franziska Trommer (Traditionelle Musik)